MALOCHEN 4.0 - FOLGE 1

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00:00:00: Glück auf und herzlich willkommen zu Malochen, dem Unternehmertalk aus dem Pod.

00:00:05: Ich bin Christine und mir gegenüber sitzt der Mann um den es in diesem Podcast eigentlich immer ein bisschen geht.

00:00:12: Horst Knigge für die meisten hier einfach Hauk!

00:00:15: Horst bei uns treffen sich zwei Welten, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen – Die Maloche wie man sie hier im Ruhrgebiet seit Generationen kennt und die Technik von heute Künstliche Intelligenz, Automatisierung – das ganze Programm.

00:00:30: Und genau darüber reden wir heute!

00:00:33: Ehrlich unaufgeregt und ohne dass wir uns dabei wichtiger machen als wir sind.

00:00:38: Glück auf Christine und Glück auf an alle die rein hören.

00:00:41: Schön, dass ihr dabei seid bei der ersten Folge.

00:00:44: Bevor wir loslegen Horst ein Satz aus deinem Buch ist mir hängen geblieben du schreibst irgendwo Zähne zusammenbeißen isst kein Plan aber manchmal das einzige was man hat.

00:00:54: Willst du uns kurz sagen, was es damit auf sich hat?

00:00:57: Ja das ist eigentlich auch der Titel von dem Buch an dem ich gerade schreibe und der Satz beschreibt ziemlich genau die Phase über die wir heute reden werden.

00:01:07: Aber lass uns das Stück für Stück aufrollen sonst verrate ich dir schon alles in der ersten Minute!

00:01:13: Gute Idee.

00:01:14: Dann fangen wir vorne an ganz vorne Und Ich warne die Hörer schon mal Das wird heute keine Kurzversion.

00:01:20: Wir nehmen uns Zeit für deine Geschichte.

00:01:22: Passt schon, wer es eilig hat kann ja vorspulen.

00:01:25: Horst du bist ja nicht von Haus aus im Event und Bühngeschäft gelandet.

00:01:29: Wo fängt deine Geschichte eigentlich an?

00:01:31: Ich komme ursprünglich aus Nolle.

00:01:33: das gehört heute zu Dissen am Teutoburger Wald.

00:01:37: also erst mal so gar nicht Ruhrpot auch wenn mich heute die meisten für einen echten Pottler halten.

00:01:43: Wie war das?

00:01:43: dort wo du herkommst ländlich überschaubar

00:01:46: total ländlig Dörflich, jeder kennt jeden.

00:01:49: Viel Landwirtschaft drum rum!

00:01:51: Ganz anderes Lebensgefühl als hier im Ruhrgebiet mit seiner Industriegeschichte.

00:01:57: Aber genau dieser Kontrast hat mich später glaube ich auch offener gemacht für Neues.

00:02:02: Und was hast du dort gemacht bevor die Bühnentechnik kam?

00:02:04: Gelernt habe ich Bäcker ganz klassisch Früh raus Hände in den Teig das volle Programm.

00:02:11: Da lernt man übrigens auch etwas fürs Leben Disziplin Denn ein Brot wartet nicht, ob du müde bist oder nicht.

00:02:18: Und danach der Wechsel zur Versicherung?

00:02:20: Genau!

00:02:21: Ich habe nochmal umgesattelt und eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann gemacht.

00:02:25: Klingt im Rückblick vielleicht kurios.

00:02:27: zwei so unterschiedliche Berufe hintereinander aber ich wollte einfach herausfinden was zu mir passt.

00:02:33: Becker- und Versicherungskaufmann – zwei Berufte die auf den ersten Blick überhaupt nichts mit Bühne oder Technik zu tun haben.

00:02:40: wie kommt man dahin?

00:02:41: über die Musik ganz klar.

00:02:43: Ich stand schon mit dreizehn hinterm Plattenteller, Blutjung.

00:02:47: aber ich wusste sofort das ist Mainz!

00:02:50: Ich habe angefangen aufzulegen und auf kleinen Feiern später auf größeren Partys

00:02:56: Mit dreizehnt schon Platten aufgelegt.

00:02:58: Wie kam ein dreizehnjähriger überhaupt an die Technik?

00:03:00: Und an die Gecks ran?

00:03:02: Ehrlich gesagt Neugier und Sturheit.

00:03:06: Laufs... Ich hab mir das Equipment angeschaut.

00:03:10: Angefasst Ausprobiert, solange bis ich verstanden habe wie es funktioniert.

00:03:15: Und dann hat sich eins zum anderen ergeben Erst kleine Feiern im Dorf Dann größere Sachen.

00:03:21: Was hat deine Familie dazu gesagt dass du als Teenager schon auf Partys aufgelegt hast?

00:03:26: Gemischte Gefühle würde ich sagen.

00:03:29: Aber solange die Ausbildung nicht runtergelitten hat, haben sie mich machen lassen.

00:03:33: Und ich habe beides irgendwie unter einen Hut gekriegt...

00:03:36: ...und aus dem Auflegen wurde dann irgendwann mehr?

00:03:38: Genau!

00:03:39: Aus dem Aufleben wurde das Interesse an der Technik dahinter.

00:03:43: licht-tonen wie man eine ganze Bühne überhaupt zum Laufen bringt Nicht nur Musik machen, sondern verstehen was hinter den Kulissen passieren muss.

00:03:52: Damit vorne alles rundläuft und das hat mich nie wieder

00:03:54: losgelassen.".

00:03:55: Also

00:03:56: war der Bäcker- und Versicherungsweg eher eine Zwischenstation?

00:03:59: So kann man es sagen!

00:04:00: Beide Ausbildungen habe ich durchgezogen – das war mir wichtig.

00:04:03: Ich bin niemand, der Dinge halb macht aber mein Herz war schon damals woanders.

00:04:09: Sobald sich die Möglichkeit ergeben hat hauptberuflich in die Event- und Bühnentechnik zu gehen, habe ich zugegriffen

00:04:16: Und daraus wurden dann über dreißig Jahre im Geschäft.

00:04:19: Erzähl mir mal, wie sich das über die Jahre entwickelt hat!

00:04:22: Über dreizig Jahre.

00:04:23: Event und Bühnentechnik ja?

00:04:25: Ich habe in der Zeit wirklich alles gesehen Kleine Firmenfeiern, große Open Airs.

00:04:31: Messen, Turnänen... Ich habe mit ganz unterschiedlichen Menschen gearbeitet Teams aufgebaut, Equipment beschafft Aufträge an Land gezogen.

00:04:40: Wie hat so ein typischer Arbeitstag in der Bühnentechnik überhaupt ausgesehen?

00:04:44: Es gab keinen typischen Tag.

00:04:46: Das war ja das Schöne und das Anstrengende zugleich.

00:04:48: Mal warst du morgens um sechs beim Aufbau mal nachts um drei beim Abbau dazwischen Kabel verlegen Techniktesten mit Veranstaltern verhandeln Feuerlöschen übertragenen Sinne.

00:04:59: Natürlich gab es auch den normalen Tag in der Firma, Nachbearbeitung der Veranstaltungen, Kisten und Equipment ins Lager packen die Anlagen warten und natürlich auch die nicht so spannenden Sachen wie Buchhaltung und

00:05:13: Co.,

00:05:14: aber ich war immer froh wenn es dann wieder

00:05:16: losging.".

00:05:17: Gibt's da eine Geschichte?

00:05:18: Ein Event das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

00:05:21: Puh!

00:05:22: Da gibt´s einige.

00:05:23: Loves... Aber wenn ich eins rausgreifen müsste Es gab mal einen Aufbau, bei dem uns kurz vor Showbeginn ein zentrales Mischpult ausgefallen ist.

00:05:32: Zwei Stunden vor Publikumseinlass alles auf der Kippe!

00:05:36: Wir haben improvisiert, umverkabelt, ersatzorganisiert und am Ende lief die Show als wäre nichts gewesen.

00:05:44: Wichtig ist immer – Der Kunde bekommt nichts von alledem

00:05:47: mit.".

00:05:48: Das klingt nach echtem Stress….

00:05:50: Wie hast du damals mit solchen Situationen umgehen gelernt?

00:05:53: Klar, die gab's auch.

00:05:55: Ausgefallene Lieferungen, Wetterumschwünge bei Open Airs – einmal ist uns sogar ein ganzer Traversenaufbau bei starkem Wind zu instabil geworden und wir mussten kurzfristig die komplette Statik umbauen!

00:06:14: Das war meine Welt, mein Leben eigentlich.

00:06:16: Die Firma die Kollegen die Kunden die Locations das war über Jahrzehnte mein ganzer Alltag.

00:06:22: ich habe da nicht nur gearbeitet Ich hab mich damit identifiziert.

00:06:26: Wie

00:06:26: sah dein Unternehmen zu der Zeit aus?

00:06:28: Groß klein wie viele Leute?

00:06:31: Es ist über die Jahre gewachsen angefangen als ein Mannbetrieb, dann mit festen Mitarbeitern.

00:06:36: Dann mit einem richtigen Netzwerk aus Subunternehmern, mit denen ich für große Aufträge zusammengearbeitet habe.

00:06:42: Ich hatte mir was aufgebaut, auf das ich stolz war

00:06:45: und neben der Technik warst du ja auch als DJ Hügel unterwegs wenn nicht dass richtig weiß

00:06:50: ganz genau.

00:06:50: das hat sich parallel weiterentwickelt.

00:06:52: während ich tagsüber Bühnen für andere aufgebaut hab stand ich abends selbst manchmal noch hinterm Pult.

00:07:00: Dior Hügel, zwei Seiten derselben Leidenschaft würde ich sagen.

00:07:11: Ehrlich gesagt manchmal gar nicht gut!

00:07:13: Es gab Wochen in denen ich kaum geschlafen habe weil ich abends aufgelegt hab und morgens schon wieder beim nächsten Aufbau stand.

00:07:21: Aber genau diese Doppelrolle hat mir auch geholfen, meine Kunden besser zu verstehen.

00:07:25: Ich wusste ja aus beiden Perspektiven was auf und hinter der Bühne wichtig

00:07:30: ist.".

00:07:31: Und dann kam der Punkt an dem du diese Firma verloren hast.

00:07:34: Magst Du erzählen, was da passiert ist?

00:07:38: Kurz gesagt, ich bin betrogen worden von Leuten mit denen ich zusammengearbeitet habe den ich vertraut hab.

00:07:44: Das war kein plötzlicher Schlag.

00:07:46: das hat sich über eine Weile aufgebaut bis ich gemerkt habe was wirklich läuft.

00:07:49: Wie hast du gemerkt dass etwas nicht stimmt?

00:07:52: Erst kleine Unstimmigkeiten Zahlen die nicht passen Absprachen Die plötzlich anders liefen als besprochen Und je mehr ich nachgehakt habe, desto klarer wurde das da systematisch was zu meinem Nachteil lief.

00:08:08: Wann genau wurde dir klar wie ernst die Lage wirklich ist?

00:08:12: Es gab einen Moment an dem ich Unterlagen zusammengetragen und einfach mal nüchtern durchgerechnet hab was tatsächlich noch übrig ist von dem was ich aufgebaut hatte und da ist mir buchstäblich der Boden weggezogen worden.

00:08:27: Das muss ein Gefühl von Ohnmacht gewesen sein

00:08:30: Absolut!

00:08:31: Man fühlt sich verraten, aber gleichzeitig auch dumm weil man es nicht früher gesehen hat.

00:08:35: Am Ende stand ich da ohne die Firma für die ich jahrelang alles hinten angestellt hatte.

00:08:43: Das ist der Teil über den ich im Buch auch am ehrlichsten schreibe.

00:08:47: Zu wahr um es zu verschweigen.

00:08:50: wie der Untertitel sagt

00:08:52: Hast du damals versucht rechtlich dagegen vorzugehen?

00:08:54: Ich hab geprüft, was möglich war.

00:08:57: Aber solche Prozesse sind lang teuer und zermürbend gerade wenn man selbst schon am Boden ist.

00:09:03: Irgendwann habe ich für mich entschieden meine Energie lieber in den Neuanfang zu stecken als in einen jahrelangen

00:09:09: Rechtsstreit.".

00:09:10: Das klingt nach einem Punkt an dem viele einfach aufgeben würden.

00:09:13: Der Gedanke war da keine Frage.

00:09:16: Es gab Nächte, in denen ich mir wirklich überlegt habe ob sich das alles überhaupt noch lohnt Aber aufgeben war für mich am Ende nie wirklich eine Option, so bin ich einfach nicht gestrickt.

00:09:27: Was hat dich davon abgehalten?

00:09:29: Ganz ehrlich – trotz!

00:09:31: Ich wollte nicht dass die Leute, die mich betrogen haben, am Ende auch noch recht behalten indem ich einfach hinschmeiße.

00:09:39: Das hat mich mehr angetrieben als jede positive Motivation.

00:09:43: Nee, ehrlich Horst klingt das nicht im Nachhinein auch ein bisschen romantisiert?

00:09:48: also war da wirklich nur trotz oder auch pure Angst.

00:09:52: Gute Frage, oh nein das war nicht nur trotz da war auch Angst dabei klar!

00:09:57: Angst was jetzt aus mir wird wie ich über die Runden komme.

00:10:00: aber der Trotz war am Ende die Kraft die aus der Angst ein Handeln gemacht hat statt dass ich in ihr stecken bleibe.

00:10:07: und dann bist du im Juni zwei tausend siebzehn nach Essen gezogen.

00:10:11: War das eine bewusste Entscheidung?

00:10:12: Oder hats dich einfach dahin verschlagen?

00:10:14: Ganz ehrlich es hätte auch jede andere Stadt in Deutschland sein können.

00:10:19: Ich hatte eines abends voll von allem, dass ich meine sieben Sachen zusammengepackt habe.

00:10:26: Mir ein NRW-Ticket gekauft habe und losgefahren bin.

00:10:31: Irgendwann kam es wie es kommen musste – ich hatte Hunger!

00:10:35: Wer mich kennt weiß weder vor dem ersten Kaffee noch bei Hunger ansprechen.

00:10:40: Ich also im nächsten Bahnhof raus aus dem Zug ab zum Futter.

00:10:45: Erst nachdem ich gegessen hatte habe ich realisiert wo ich eigentlich bin Essen, Hauptbahnhof.

00:10:51: Mit Essen habe ich immer gute Erfahrungen verbunden – die Messen und Veranstaltungen in der Gruger- und am Baldeneisee.

00:10:59: Nette freundliche Menschen!

00:11:00: Und da hat es dann Klick gemacht?

00:11:02: Ich war gekommen um zu

00:11:03: bleiben.".

00:11:04: Was war anders an Essen im Ruhrpot im Vergleich zu deiner Herkunft aus Dissen?

00:11:09: Der Ruhrpottcharakter?

00:11:11: nicht labern machen Hier wird nicht lange rumgejammert hier wird angepackt Und genau diese Mentalität hat mir in der Zeit geholfen, wieder auf die Beine zu kommen.

00:11:23: Kanntest du überhaupt jemanden in Essen als du hingezogen bist?

00:11:26: Kaum!

00:11:26: Ein paar lose Kontakte aus der Branche mehr nicht... Ich musste mir wirklich ein komplett neues Netzwerk aufbauen In einer Stadt, in der ich vorher nur als Durchreisender für Events war.

00:11:37: Was war denn der schwerste Moment in der ganzen Geschichte wenn Du zurückblickst?

00:11:42: Der Moment wo mir klar wurde dass ich wirklich bei Null anfange Keine Firma mehr, kein Netzwerk.

00:11:48: Das noch trägt kein finanzielles Polster – nur ich und die Entscheidung ob ich jetzt weitermache oder nicht!

00:11:54: Da beißt man halt die Zähne zusammen.

00:11:56: Daher auch der

00:11:57: Buchtitel.".

00:11:58: Wie sahen die ersten Wochen- und Monate in Essen konkret aus?

00:12:03: Ich habe wieder klein angefangen, da ich ja nachdem ich hier angekommen war nichts hier hatte musste ich mir erst einmal eine Unterkunft suchen.

00:12:10: Ich kannte in der Nähe vom Baldeneysee ein nettes kleines Hotel.

00:12:14: dort habe ich mir dann erstmal ein Zimmer gebucht.

00:12:16: die ersten Tage habe ich damit verbracht um zu herauszufinden was sich hier wie und wo machen kann.

00:12:22: Dann kam mir die Erkenntnis, dass wenn ich mich hier niederlassen möchte eine Wohnung benötige.

00:12:27: Also habe ich mir eine Arbeit in einem Callcenter gesucht.

00:12:31: nachdem das geschafft war der Next Step eine Wohnung.

00:12:34: dann habe ich noch eine ganze Zeit für verschiedene Callcenter Agents in Kommunikation geschult In der Zeit mein kleines Tonstudio eingerichtet und die ersten Aufträge produziert.

00:12:45: Was hast du diesmal bewusst anders gemacht als vorher?

00:12:48: Am Ende war es die Arbeit selbst.

00:12:50: Ich habe angefangen wieder klein aufzubauen, dann mehr und mehr auch die Studio- und Podcastschiene aus der später Hockstudio geworden ist.

00:13:01: Mit jedem kleinen Erfolg kam ein Stück Vertrauen zurück, dass es

00:13:05: funktioniert.".

00:13:06: Wenn du heute zurückblickst – was würdest Du dem Horst von damals sagen?

00:13:10: Kurz nachdem alles zusammengebrochen

00:13:12: Dass es sich lohnt, durchzuhalten.

00:13:14: Nicht weil danach alles easy wird sondern weil man am Ende ein Fundament hat das wirklich einem selbst gehört.

00:13:21: Niemand kann's einem mehr wegnehmen weil mans diesmal komplett selbst kontrolliert.

00:13:26: und genau da schlägt jetzt die Brücke zu dem worüber wir im zweiten großen Teil reden wollen.

00:13:31: Du baust dir heute wirklich vieles selbst von der Mail App bis zur Shop Automatisierung.

00:13:36: Wie kam´s dazu?

00:13:37: Ganz ehrlich, nachdem was passiert ist wollte ich nie wieder in eine Situation kommen wo ich von anderen Leuten oder von Systemen abhängig bin die ich nicht verstehe oder nicht kontrollieren kann.

00:13:49: Wenn ich heute etwas brauche dann baue ich es mir oder ich lerne wie's funktioniert.

00:13:53: Ist das dann eher eine?

00:13:54: Ich lass mir die Kontrolle nicht mehr nehmen?

00:13:56: Mentalität

00:13:57: zu hundert Prozent ja.

00:14:00: diese Erfahrung mit dem Betrug hat mich geprägt.

00:14:03: alles was sich heute betreibe ist so aufgebaut dass ich jederzeit reinschauen und verstehen kann, was passiert.

00:14:25: Futterpot.shop für Tierbedarf und Potbindestrichttechnik, Punktshop für Event- und Bühnentechnik.

00:14:32: Alles von zu Hause aus in Essen gemanagt, technisch und geschäftlich komplett von mir selbst.

00:14:38: Fangen wir mit dem Radio an!

00:14:40: Wie ist Pottradio FM entstanden?

00:14:43: Aus der Idee heraus dass der Pott eine eigene Stimme im Netz braucht.

00:14:47: Ich habe mir die komplette Technik dahinter selbst aufgebaut Von der Webseite über den Streaming-Server bis zum kompletten, vierundzwanzig Stunden Sendeplan mit verschiedenen Musikrotationen.

00:14:58: Das war ein richtiges Technikabenteuer – aber am Ende lief alles automatisch durch!

00:15:03: Und die beiden Online-Shops?

00:15:05: Wie kam es dazu, dass du plötzlich auch noch eCommerce machst?

00:15:08: Futterpot und Potttechnik haben sich aus konkreten Bedarfen entwickelt.

00:15:13: Bei Pott-Technik lag's nahe weil ich aus der Event-Technikbranche komme.

00:15:18: Ich kannte die Produkte und die Kunden.

00:15:20: Beide Shops habe ich technisch migriert und aufgebaut – inklusive automatisierter Lieferantenanbindung, damit nicht jeden Artikel von Hand pflegen

00:15:30: muss.

00:15:31: Das klingt nach einem Riesenprojekt für eine Person!

00:15:34: War's auch.

00:15:35: Aber genau da zeigt sich warum mir Automatisierung so wichtig geworden ist.

00:15:40: Ohne die automatische Anbindung an Lieferanden ohne automatisierte Preis- und Bestandspflege wäre das als Einzelkämpfer schlicht nicht zu stemmen.

00:15:49: Wie behältst du bei all diesen Standbeinen den Überblick?

00:15:52: Genau da kommt die Automatisierung ins Spiel.

00:15:55: Zum Beispiel habe ich zwölf verschiedene Postfächer für meine unterschiedlichen Geschäftsbereiche, statt dass ich jeden Tag zwölft mal einlogge und von Hand sortiere hab' ich mir die HK Mail App gebaut.

00:16:08: Die holt und sortiert die Mails jetzt automatisch für mich.

00:16:12: Und das ist nicht dein einziges Projekt in die Richtung oder?

00:16:15: Nee Parallel baue ich an der SPAR-App eine Anwendung, die Angebote aus Supermarktprospekten automatisch erfasst und aufbereitet.

00:16:24: Ursprünglich für die Diakonie gedacht damit Menschen mit wenig Geld leichter die besten Angebote finden.

00:16:31: Da geht es auch um Automatisierung aber mit einem sozialen Zweck dahinter.

00:16:35: Erzähl mir mehr davon.

00:16:37: wie funktioniert die SPAR App konkret?

00:16:39: Die App liest automatisch die Prospekte verschiedener Supermarktketten aus, erkennt Preise und Angebote.

00:16:46: Und stellt sie übersichtlich inklusive der Marktadressen zusammen.

00:16:50: Für Leute, die aufs Geld achten müssen, spart das enorm viel Zeit beim Vergleichen.

00:16:55: Das ist für mich ein schönes Beispiel wie Technik nicht nur mir sondern auch anderen direkt weiter

00:17:08: hilft.

00:17:09: Genau das macht es für mich auch so sinnvoll.

00:17:11: Es ist nicht nur Selbstzweck, es hilft am Ende auch anderen Leuten.

00:17:15: Neben all der Technik gibst du ja auch noch.

00:17:17: Workshops habe ich gehört.

00:17:19: Excel Word und Podcastkurse

00:17:22: Stimmt, unter Podworkshops biete ich Kurse an die Leuten aus der Region ganz praktisch Office-Programme oder wie produziere ich einen Podcast näher bringen.

00:17:32: Viele trauen sich das nicht zu weil sie denken dass ist nur was für Studierte.

00:17:37: aber jeder kann das lernen wenn es ihm verständlich erklärt wird.

00:17:41: Wie passt das denn zu deinem Ruhrpottanpackerbild?

00:17:44: Bühnentechnik und Excelkurse.

00:17:46: Auf den ersten Blick passt das vielleicht nicht zusammen Aber im Kern ist es dasselbe Prinzip.

00:17:51: Ich zeige Leuten, wie sie mit den richtigen Werkzeugen selbst was auf die Beine stellen können statt sich abhängig zu machen.

00:17:59: Ob das jetzt eine Bühne ist oder eine Excel-Tabelle – ist am Ende egal!

00:18:05: Was wäre dein allererster einfachster Tipp für jemanden der noch ganz am Anfang steht?

00:18:09: Fang klein an und fang bei dem Kram an, der dich jeden Tag am meisten nervt.

00:18:15: Bei mir war's die Mailflut.

00:18:17: Man muss nicht gleich das große Rundumsystem bauen, so ein erster kleiner Automatisierungsschritt und sei es nur eine simple Sortierregel für den Posteingang spart schon Nerven und Zeit.

00:18:29: Und man muss dafür auch kein Programmierer sein oder?

00:18:32: Nein überhaupt nicht!

00:18:34: Ich habe mir das alles auch erst selbst beibringen müssen Schritt für Schritt.

00:18:38: Wichtig ist eigentlich nur die Bereitschaft sich mal ne Stunde hinzusetzen und auszuprobieren statt sich zu denken.

00:18:45: Das ist eh nichts für mich.

00:18:48: Na ehrlich, Horst wird das nicht irgendwann too much?

00:18:52: Also wie behältest du bei fünf sechs Standbeinen noch ein Privatleben?

00:18:57: Ehrliche Antwort!

00:18:58: Es ist ein ständiger Balanceakt und ich schaffe es auch nicht immer perfekt aber genau deshalb automatisiere ich ja so viel.

00:19:07: jede Stunde die ich nicht mit manueller Kleinarbeit verbringe is eine Stunde die Ich mir woanders zurückholen kann.

00:19:14: Bleiben wir kurz technisch.

00:19:15: Horst, du hast potbinde-technik.shop ja komplett von einer alten Plattform auf ein neues System umgezogen.

00:19:22: Wie kam es dazu?

00:19:24: Das alte System ist einfach an seine Grenzen gestoßen je größer der Shop wurde.

00:19:28: ich habe mich dann entschieden Komplett auf Shopwear umzuziehen.

00:19:33: Ein mächtigeres System aber eben auch eins das sich selbst tiefer verstehen und steuern kann.

00:19:39: wie umfangreich war so eine Migration in der Praxis

00:19:42: richtig umfangreich?

00:19:44: Es ging nicht nur darum, Produkte von A nach B zu kopieren.

00:19:47: Ich musste ein komplett neues Team aufbauen, tausende Produktdaten korrekt übertragen und dabei liefen ständig kleine aber kritische Probleme auf.

00:19:56: Zum Beispiel?

00:19:57: Ein besonders nerviger Fall war ein Preisformatfehler bei fast zwölf Tausend Produkten.

00:20:03: die Preise waren im falschen Datenformat gespeichert so dass sie im Shop komplett falsch angezeigt wurden.

00:20:10: das musste ich systematisch durchgehen und korrigieren lassen, damit kein Kunde am Ende einen falschen Preis sieht.

00:20:17: Das klingt nach einer Nadel im Heuhaufen-Aufgabe!

00:20:20: War's auch?

00:20:21: Aber genau solche Probleme zeigen mir immer wieder warum ich die Kontrolle über meine eigenen Systeme haben will.

00:20:29: Hätte ich das komplett outgesourced hätte ich mich auf fremde Berichte verlassen müssen ob und wie das Problem gelöst wurde.

00:20:37: ihr habt ja auch ein KI Chatbot für den Shop gebaut wenn ich mich richtig erinnere

00:20:42: Genau, den nennen wir HATTY.

00:20:44: Der beantwortet Kundenfragen im Shop automatisch in WhatsApp-Steal mit Produktkarten auf Deutsch und Englisch umschaltbar und kann sogar per Sprachausgabe antworten.

00:20:57: Das entlastet mich enorm im Tagesgeschäft weil viele Standardfragen automatisch beantworted werden bevor überhaupt eine Mail bei mir landet.

00:21:06: Wieder ein Beispiel dafür, wie du dir mit Automatisierung Freiraum schaffst.

00:21:11: Exakt!

00:21:12: Jedes dieser Projekte für sich ist erstmal Aufwand?

00:21:15: keine Frage aber jedes davon gibt mir am Ende Zeit zurück die ich sonst mit Routinearbeit verlieren würde.

00:21:23: Was war rückblickend die größte Lektion aus dieser Migration?

00:21:27: Dass man technische Großprojekte in kleine überschaubare Schritte zerlegen muss.

00:21:33: Wenn ich versucht hätte, alles auf einmal umzusetzen, wäre ich daran gescheitert.

00:21:38: Aber Schritt für Schritt, Modul für Modul wird auch ein riesiges Projekt am Ende machbar.

00:21:45: Horst du schreibst ja parallel zu allem anderen noch an deine Autobiografie?

00:21:50: Wann hast Du entschieden dass diese Geschichte auch als Buch erzählt werden muss?

00:21:54: Das kam eigentlich schleichend!

00:21:57: Ich habe irgendwann angefangen mir einzelne Erinnerungen aufzuschreiben, nur für mich als eine Art Verarbeitung.

00:22:03: Und je mehr zusammenkam, desto klarer wurde – das ist eigentlich eine ganze Lebensgeschichte die es wert ist, erzählt zu

00:22:11: werden.".

00:22:12: Der Titel «Zähne zusammenbeißen» haben wir schon ein paar Mal erwähnt.

00:22:16: Wie weit reicht die Geschichte im Buch zurück?

00:22:18: Ganz an den Anfang bis nineteenhundertsechsundsechzig.

00:22:23: Das erste Kapitel spielt auf dem Bauernhof, auf den ich aufgewachsen bin.

00:22:28: Ich habe da sogar ein altes Foto bekommen, auf dem noch drei Kastanienbäume vor dem Haus zu sehen sind.

00:22:35: heute stehen nur noch zwei kleine Details wie dieses helfen mir total mich wieder in die Zeit reinzuversetzen.

00:22:43: das ist eine schöne aber auch bewegende Verbindung.

00:22:46: Ein altes foto dass dir hilft deine eigene Geschichte neu zu sehen.

00:22:50: Total.

00:22:51: Man vergisst so viele Details über die Jahre und dann kommt so ein Bild, und plötzlich ist alles wieder da.

00:22:58: Die Gerüche – die Geräusche das Gefühl von damals!

00:23:02: Wie schwer fällt es dir, die schmerzhaften Kapitel zu schreiben?

00:23:05: Also den Betrug, den Verlust der Firma.

00:23:08: Das sind tatsächlich die Kapitel an denen ich am längsten sitze nicht weil ich nicht wüsste was passiert ist sondern weil man beim Schreiben noch mal richtig reingezogen wird in die Emotionen von damals.

00:23:21: Aber genau deshalb heißt der Untertitel auch zu wahr, um es zu verschweigen.

00:23:26: Ich wollte da nichts

00:23:27: beschönigen.".

00:23:28: Was erhoffst du dir, dass die Leser aus dem Buch mitnehmen?

00:23:31: Vor allem, dass ein Rückschlag nicht das Ende ist.

00:23:34: Ich will zeigen wie so einen Weg von ganz unten wieder nach oben tatsächlich aussieht.

00:23:40: Nicht geschönt mit allen Zweifeln und Rückschlägen aber eben auch mit dem Beweis, dass es geht.

00:23:45: Außerdem wäre es schön wenn man nach dem Lesen des Buches denkt.

00:23:49: ich habe auch einen Bekannten der so ruhrlos ist wie Horst.

00:23:52: jetzt kann ich ihn etwas besser verstehen.

00:23:55: Wann können wir mit der Veröffentlichung rechnen?

00:23:57: Das lasse ich noch offen.

00:23:58: Ich will mir die Zeit nehmen, die es braucht damit es wirklich stimmt lieber ein Jahr länger als am Ende was rauszubringen hinter dem ich nicht zu hundert Prozent stehe.

00:24:08: Kommen wir zum Ausblick Horst!

00:24:10: Wo siehst du Hawk Studio und all deine Projekte in den nächsten Jahren?

00:24:14: Ich will die einzelnen Standbeine noch enger miteinander verzahnen.

00:24:19: Aktuell laufen Podcast, Radio die Shops und die Weiterbildung noch relativ getrennt nebeneinander.

00:24:25: Mein Ziel ist dass sie sich gegenseitig stärker befruchten.

00:24:28: Kannst du das an einem Beispiel greifbar machen?

00:24:31: Klar dieser podcast hier ist eigentlich schon ein gutes beispiel.

00:24:34: malochen vier punkt null erzählt unternehmergeschichten aus dem pot verweist dabei auf meine workshops nutzt die technik aus dem studiobereich und läuft am Ende sogar über Pottel Radio FM als zusätzlichen Kanal.

00:24:48: Alles greift ineinander!

00:24:50: Wie wichtig ist dir dabei die Musikseite, also Projekte wie Graues Revier oder die verschiedenen Musikkollektive, die du aufgebaut hast?

00:24:58: Total wichtig – auch wenn es auf den ersten Blick nicht direkt zum Geschäftlichen passt.

00:25:03: Für mich ist die Musik der emotionale Kern von allem.

00:25:08: Ohne die Musik-Seite würde sich das ganze Unternehmertum irgendwann hohl anfühlen.

00:25:14: Planst du in Zukunft auch mehr mit künstlicher Intelligenz zu experimentieren über das hinaus, was wir heute schon besprochen haben?

00:25:20: Auf jeden Fall!

00:25:21: Wir sitzen ja gerade selbst in so einem Experiment.

00:25:24: dieser Podcast mit dir als KI-Stimme ist der beste Beweis dafür dass ich das nicht nur theoretisch interessant finde sondern aktiv einsetze.

00:25:37: Ich will in den nächsten Jahren noch viel mehr Prozesse so automatisieren, dass ich mich auf das konzentrieren kann was wirklich nur ich kann.

00:25:47: Die Kreativität die Beziehungen zu kunden die großen Entscheidungen.

00:25:52: gibt es

00:25:52: etwas wovor du bei all der Technik trotzdem Respekt hast oder sogar ein bisschen Sorge?

00:25:57: sorge vielleicht davor Dass man den Menschen hinter der technik vergisst?

00:26:03: Für mich bleibt wichtig, dass all diese Automatisierung ein Mittel bleibt und kein Selbstzweck wird.

00:26:09: Sie sollte uns unterstützen – und keine Arbeitsplätze vernichten!

00:26:13: Am Ende soll sie mir und anderen mehr Zeit für das geben was wirklich

00:26:18: zählt.".

00:26:19: Was würdest du sagen ist die größte Lektion, die Du aus Deinem ganzen Weg vom Bäcker über die Bühnentechnik den Verlust der Firma bis zu Hork Studio heute ziehst?

00:26:29: dass man sich selbst niemals komplett aufgeben darf, egal wie aussichtslos es gerade aussieht.

00:26:35: Es gibt immer einen nächsten Schritt auch wenn man ihn im Moment noch nicht sieht.

00:26:39: Man muss nur bereit sein, ihn zu suchen!

00:26:42: Was ich aus unserem Gespräch heute mitnehme Horst?

00:26:45: Deine ganze Automatisierungsgeschichte ist eigentlich keine Technik-Geschichte sondern eine Geschichte darüber, nie wieder die Kontrolle abzugeben.

00:26:55: Das finde ich einen richtig starken Punkt.

00:26:57: Genau das is der Kern.

00:26:58: Ja, die Technik ist nur das Werkzeug.

00:27:01: Der Antrieb dahinter ist der, den ich eben beschrieben

00:27:04: habe.".

00:27:06: Trotzdem noch mal ehrlich nachgefragt – Ist da nicht auch die Gefahr dass man sich hinter der Technik versteckt statt sich nochmal auf Menschen einzulassen?

00:27:14: Nach allem was passiert ist?

00:27:16: Das ist ein fairer Punkt Christine.

00:27:19: und ja die Gefahre sehe ich auch.

00:27:20: aber für mich ist Technik kein Ersatz für Menschen sondern einen Schutz davor nochmal blind zu vertrauen ohne selbst zu verstehen, was läuft.

00:27:30: Die Menschen in meinem Leben sind mir nach wie vor extrem wichtig!

00:27:34: Ich pass nur heute besser auf, wem ich wie viel Kontrolle

00:27:38: überlasse.".

00:27:38: Wenn

00:27:39: du einem Hörer der gerade selbst einen Rückschlag erlebt, einen einzigen Satz mitgeben könntest….

00:27:45: welcher wär das?

00:27:46: Ein Atemzug – ein Schritt, ein Tag.

00:27:48: ich halte durch und ich komme an.

00:27:51: Starke Worte zum Schluss.

00:27:53: In der nächsten Folge beleuchten wir dann genau einen Tag auf Tournee Und wie du dazu gekommen bist.

00:27:58: Bis dahin Horst!

00:28:00: Wo finden die Hörer dich, wenn sie mehr wissen wollen?

00:28:03: Am einfachsten über die HAOK-Studiokanäle verlinken wir euch in den Shownotes.

00:28:08: und wer meine Geschichte noch ausführlicher lesen will das Buch Zähne zusammenbeißen kommt sobald es fertig ist natürlich auch dazu.

00:28:17: Dann sage ich Glück auf und bis zur nächsten Folge von Maluchen.

00:28:20: vier Punkt Null

00:28:21: Glück Auf.

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